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Weihnachten: zelebrieren

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(aus: François Cheng, 5 Méditationen über den Tod, anders gesagt: über das Leben, S.151f; Übersetzung &  Überschrift von mir ) Es bleibt uns jedoch noch zu zelebrieren     wie du es gemacht hast Das zu zelebrieren, was, aus uns  emporgeschossen,     noch nach dem offenen Leben ausstreckt Das, was unter getötetem Fleisch, Gedächtnis ausruft Das, was unter verschüttetem Blut, Gerechtigkeit ausruft Einziger Weg, in Wahrheit, wie wir noch     die Leidenden und Toten ehren könnten Jeder von uns ist Endlichkeit  Das Unendliche ist das, was aus uns heraus gebiert,    gemacht aus dem Unerwarteten, dem Unerhofften Das den Wunsch Übersteigende, das einen selbst Übersteigende zelebrieren Einziger Weg, in Wahrheit, wie wir noch das    initiale Versprechen halten könnten Die Frucht zelebrieren, weniger die Frucht selbst,     als ihren unendlichen Geschmack  Das Wort zelebrieren, weniger das...

..und die Bäume sehen zu:

Diese Frau wusste, dass sie in den nächsten Tagen werde sterben müssen..   Als ich mit ihr sprach war sie trotzdem heiter. „Ich bin meinem Schicksal dankbar dafür, dass es mich so hart getroffen hat“, sagte sie zu mir wörtlich; „denn in meinem früheren, bürgerlichen Leben war ich zu verwöhnt und mit meinen geistigen Ambitionen war es mir wohl nicht ganz ernst.“ In ihren letzten Tagen war sie ganz verinnerlicht. „Dieser Baum da ist der einzige Freund in meinen Einsamkeiten“, meinte sie und wies durchs Fenster der Baracke. Draußen stand ein Kastanienbaum gerade in Blüte, und wenn man sich zur Pritsche der Kranken hinabneigte, konnte man, durch das kleine Fenster der Revierbaracke, eben noch einen grünenden Zweig mit zwei Blütenkerzen wahrnehmen. „Mit diesem Baum spreche ich öfters“, sagte sie dann. Da werde ich stutzig und weiß nicht, wie ich ihre Worte zu deuten habe. Sollte sie delirant sein und zeitweise halluzinieren? Darum fragte ich neugierig ob der Baum ihr viellleicht auch an...

History repeating..

Samstag abend, halb 1. Zur Erniedrigung sind zwei Leute notwendig. Einer, der erniedrigt, und einer, den man erniedrigen will, oder vor allem: der sich erniedrigen läßt. Entfällt das letztere, ist also die passive Seite gegen jede Erniedrigung immun, dann verpuffen die Erniedrigungen in der Luft. Was übrigbleibt, sind nur lästige Verordnungen, die das tägliche Leben beeinflussen, aber keine Erniedrigung oder Unterdrückung darstellen, die die Seele bedrängen. Zu dieser Einstellung müste man die Juden erziehen. Ich radelte heute morgen über den Stadionkade, genoß den weiten Himmel über dem Stadtrand und atmete die frische nicht rationierte Luft. Und in der freien Natur überall Tafeln auf den Wegen, die für Juden gesperrt sind . Aber auch über dem einzigen Weg, der uns verblieben ist, wölbt sich der gesamte Himmel. Man kann uns nichts anhaben, man kann uns wirklich nichts anhaben. Man kann es uns recht ungemütilch machen, man kann uns der materiellen Güter berauben, auch der äußeren Bewe...